Der junge, smarte, elegante und « très chic, très hip, très sexy ! » Posterboy der Märkte soll es nun also werden. President ! Emmanuel Macron President ! En marche ! EM !
Das Produkt der Marketing-Strategen und Elite-Schmieden – ein Produkt der neoliberalen Weltraumforschung, die Onaniervorlage der freien Märkte; Emmanuel. EM !

Alle sind sie schon seit Wochen aus dem Häuschen: die Medien, die Sozialdemokraten in Deutschland, die rechten Sozialisten in Frankreich – also auch Sozialdemokraten – die Liberalen sowieso. Die Konzernvorstände, die Europäische Kommission – ach überhaupt alle, alle. Warum?

Er hat so schön « L’Europe » gesagt. Ja , das hat er. Er war der Einzige. Der einzige von insgesamt elf Kandidaten der « L’élection présidentielle 2017 » Er, nur er hat das « L’Europe » so schön gesagt. Hach, « L’Europe ». Und weil es so schön war noch einmal alle im Chor, zart dahin gehaucht « L’Europe », « L’Europe », « L’Europe ». Uhh, war das schön.

Geht’s noch? … « L’Europe » ? dahin gehaucht; und… damit hat er sie alle im Sack? Pff, « L’Europe ».

Der Sunnyboy hat es faustdick hinter den Ohren. Er wird das vollenden, was Hollande und Valls nur unter großen Widerständen angeschoben und – es ging ja nur per Dekret – angefangen und teilweise durchgesetzt haben. Er vollendet die Agenda 2010 für Frankreich. neoliberal übersetzt heißt das, Frankreich wird „endlich wettbewerbsfähig“. Schluss mit lustig. Nach getaner Arbeit, in 5 Jahren, übernimmt dann der Front National. So das zu erwartende Drehbuch.

Der Posterboy der Neoliberalen – Eine kleine Rückblende…

« jets d’œufs » – Freifliegende Lebensmittel

Diese « jets d’œufs » flogen 2016 in Montreuil. Sie flogen und trafen den überaus eleganten Anzug des, laut Zeit, jungen, smarten und loyalen Finanzministers des glücklosen „sozialistischen“ Präsidenten der fünften französischen Republik. Patsch. « jets d’œufs »

Warum? Warum diese « jets d’œufs » nun ausgerechnet den jungen, smarten, loyalen und immer très élégant gekleideten Absolventen der Eliteuniversität ENA trafen, der angeblich lieber mit seinen Professoren als mit seinen gleichaltrigen Mitstudenten befreundet war, der so legendäre Sätze wie « C’est Cuba sans le soleil ! »  (was soviel heißt wie „Das ist wie Kuba nur ohne Sonne“) als der „glücklose Präsident“ über einen Spitzensteuersatz von 75% für unverschämt hohe Einkünfte, glücklos wie immer, sinnierte.

Also warum die « jets d’œufs » ausgerechnet ihn trafen… man muss es betonen, es gerät sonst zu schnell aus dem Blickfeld. Das er, ausgerechnet er, und sein très schicker Anzug von den Erzeugnissen eines völlig ungebildeten Huhns getroffen wurden. Geschleudert von, ja wie soll man das sagen, geschleudert von, von Streikenden, von streikenden Arbeitern, von streikenden Arbeitern der CGT, der CGT. Dieser CGT, die immer Ärger macht, die nur Ärger macht und nur die egoistischen Interessen ihrer très schlecht gelaunten Mitglieder im Blickfeld hat, meistens jedenfalls.

Diese « œufs » flogen, schlecht gelaunt und sie trafen den eleganten Anzug und dessen Träger. Patsch. Der Träger des Eleganten war getroffen und düpiert, der schicke Fummel war hin, ruiniert. Das Geschrei, das Entsetzen war groß, das Geschreibsel damals auch.

Aber wie kam es dazu? Also… also das war so: der Junge, Smarte, Loyale und immer Elegante war eine Woche vorher zu Besuch in Lunel (Hérault) und traf auf Streikende, die sah man seit März 2016 öfter in der Republique de France. Auch hier ging es um dieses Loi du Travail. Dieses Loi du Travail sorgte seit mehr als 3 Monaten für mächtigen Ärger und Aufruhr in der Republique. Mächtig viel Ärger und Streiks, auch an diesem Tag in Lunel (Hérault). Die Streikenden, zwei an der Zahl, trugen T-Shirts. Was drauf stand? Keine Ahnung. Freundlich wird es nicht gewesen sein. Sie bedrängten Ministre de l’Économie, de l’Industrie et du Numérique Emmanuel Macron.

Er wurde von den rohen Gesellen in T-Shirts bedrängt, verlor die Countenance. Er verlor sie und es brach aus ihm heraus…
« Vous n’allez pas me faire peur avec votre tee-shirt. La meilleure façon de se payer un costard, c’est de travailler. »
Das schleuderte er, der so arg bedrängte, der Monsieur Ministre Emmanuel Macron, in der Not, den Streikenden entgegen. Dieser Anwurf in Lunel (Hérault) löste die « jets d’œufs » in Montreuil aus. So war das. Ja genauso. Très choquant. Très,très choquant, est-ce pas ?

Ach so, eine Übersetzung dieses Verlustes an Fassung wäre in etwa diese: „Ihr macht mir keine Angst mit Euren T-Shirts! Ihr müsstet arbeiten, dann könntet Ihr Euch auch einen solchen Anzug kaufen“. Das löste die fliegenden Eier in Montreuil aus, von ebenfalls Streikenden. Ein Besuch in Marseille wurde danach vorsichtshalber abgesagt bei seiner Rückkehr nach Paris wich er im Gare de Lyon einem, auch schlecht gelaunten, Empfangskomitee durch die Hintertüren aus und verschwand.

Wegen ihm sind sie jetzt so aus dem Häuschen. Er, « EM ! » wird jetzt die Republik retten und Europa auch. Deshalb sind alle ganz verzückt. Bei einem vorgezogenen Antrittsbesuch in Berlin vor wenigen Wochen, saßen sie auch alle elektrisiert in der ersten Reihe, klebten an seinen Lippen als er dieses « L’Europe » ins Mikrophon hauchte, wischten sie sich verstohlen die eine oder andere neoliberale Träne von der Wange; Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Daniel Marc Cohn-Bendit « Dany le rouge », Sigmar Gabriel und, und, und. Was Herbert Marcuse da wollte, das, das muss er selbst beantworten.

Er, der « L’Europe » Hauchende soll und wird es werden, wenn es nach den Neoliberalen, den Steigbügelhaltern der autoritären, völkisch nationalistischen Rechten und Faschisten geht. Der „Wirtschaft und den Märkten“ ist ohnehin alles recht solange der Laden brummt.

Er ist das „hübsche Gesicht“ und Marine Le Pen ist die Fratze des gleichen Programms – Kapitalismus, parallel zu Barak Obama und Donald J. Trump.

Hier gibt es nichts zu wählen.

Hier bleiben nur noch Protest, Demonstrationen, Streiks, Generalstreiks und Selbstorganisation. In den Vereinigten Staaten haben es die Menschen wohl verstanden, sie, die Menschen, verstehen es auch in Frankreich. « Ni Le Pen , Ni Macron ! »

Wir schließen uns der Forderung auf den Demonstrationen zum 1. Mai in Frankreich an.

« Soyons ingouvernables » *.

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* Das übersetzen wir auch dieses Mal mit böser Absicht nicht 🙂

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PS: Die Drehbücher des Kapitalismus müssen nicht so verlaufen, wie verfasst. Die durch einen institutionellen Putsch an die „Macht“ gelangte korrupte „Regierung“ Temer in Brasilien sah sich vor wenigen Tagen mit einem Generalstreik konfrontiert an dem sich 40 Millionen Menschen beteiligten. Es war der größte Generalstreik in der Geschichte Brasiliens. Der rechte Präsident Argentiniens, Mauricio Macri, der den Wählern eine „La revolución de la alegría“, die Revolution der Freude versprach und ihnen nichts als Arbeitslosigkeit, herbe Lohnverluste und explodierende Preise brachte, erlebte die „Freude“ die in Wut umschlug bei Massenprotesten einige Wochen früher… Dont’ mess with the workers!

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