Betriebsamkeit

Das BVerwG so: Fahrverbote sind rechtens und ab sofort möglich. Ich so: YAY – saubere Luft. Hamburg so: Wir setzen das schon im April um. Ich so: YAY – gerne noch schneller. Hamburg so: …auf zwei Straßen. Ich so: Wait, what?

Nun hat also das Bundesverwaltungsgericht verkündet, dass Fahrverbote möglich seien und schon rauscht und wogt und fegt es im Medienwald – gerade so, als sei tatsächlich irgendetwas passiert. Ist es nicht.

Und haltet mich für altmodisch, aber „Fahrverbot“, da denke ich an Kisten, die auf dem Hof stehen bleiben und gerade noch als Schmuck dienen, wenn man auf derlei steht. Die angekündigten Umsetzungen als Fahrverbote zu bezeichnen ist ein schlechter Scherz, hier geht es allenfalls um Umleitungen. Dass es mit den Begrifflichkeiten im Moment nicht weit her ist, ist das eine. Aber wenn wir jetzt Umleitungen als Fahrverbote bezeichnen, dann ist alles aus dem Ruder, dann ist jeder noch so blöden Augenwischerei die Tür weiter offen als ohnehin schon.

Hamburg will zwei (2, zwei, two, due, dos!) Straßen für bestimmte Diesel-Fahrzeuge sperren. Zwei (2, zwei, two, due, dos!) auf denen die Abgas und Feinstaub gemessen wird. Die Dreckschleudern sollen dann – bravo – anderswo langfahren. Sie werden also über Gassen umgeleitet in denen – Zufälle gibt’s – keine Abgasmessungen stattfinden. Möglicherweise beschwert sich irgend ein renitentes Bewohner und dann gibt’s dort auch Messungen und dann wird wieder irgendwas gesperrt, irgendwohin umgeleitet, blafaselblubbundbluff. Was nicht gemessen wird, muss man nicht an Brüssel melden und zack haben wir sauberere Luft ganz ohne sauberere Luft. Das muss man wollen.

Gewese und Gedöns sind trotzdem. Die AfD entblödet sich sogar, stolz darauf zu sein einen Diesel zu fahren, las ich gerade. Gut, das soll unser Maßstab nun wirklich nicht sein. Aber wie wär’s denn mal mit Diskurs statt Geschrei? Soll mir das Umleiten von Autos tatsächlich a) als Fahrverbot und b) als Lösung verkauft werden? Ich wage mich kaum zu fragen, für wie blöd man mich hält.

Fahrverbot – den Begriff mochte ich. Ebenso die mit ihm einhergehenden Konsequenzen. Nämlich die, dass tatsächlich mal weniger los sei auf den Straßen und dass möglicherweise tatsächlich die Verursacher all des Drecks zur Verantwortung gezogen würden. Und es gab doch sogar schonmal autofreie Tage. Eine Ölkrise kann das, für das bisschen Umwelt ziehen wir keinen autofreien Sonntag durch. Leider also bleibt alles im Geschwätz-nebligen Bereich. Es wird – sachlich falsch – von Fahrverboten gesprochen und ebenso darüber, dass die Autohersteller in die Verantwortung genommen werden müssten. Aber es gibt weder Fahrverbote noch sehe ich Anzeichen eines Betrugsprozesses. Wozu dann die Aufregung? Es handelt sich um Betrug, das steht doch wohl außer Frage. Autos wurden gekauft, weil Kunden und Kundinnen davon ausgingen, die geforderten Emissionswerte einzuhalten. Diese aber wurden getürkt. Und dann einigt man sich auf dem Dieselgipfel auf ein Software-Update und spricht jetzt über Verantwortung? Da bin ich raus.

Meinetwegen können wir das mit dem Individualverkehr ganz sein lassen. Da wäre dann die Aufregung auch berechtigt groß, damit komme ich zurecht. Aber dieses Gerumpel wegen nix und gar nix und das ständige Geschwätz von Verantwortung, die man dann nicht einfordert… hört doch einfach auf damit.

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