Zaterdag. De koffie is klaar, de lekker broodjes met ham en kaas zijn ook klaar. Ik? Ik ben ook klaar voor de laatste dag in de zon. Maar, de kranten moet ik niet vergeten en de artikelen voor „what´s next“ en „Wir sind das schwule Pack“ zijn eer heel belangrijk voor deze dag. Lekker zon, lekker ontbijt, lekker werken en lekker sitten in de zon. Ik ben op de weg naar de rivier.

 

Kurz und gut, der Kaffee ist in der Thermoskanne, die Sonne scheint, Zeitungen, Frühstück und halbfertige Artikel sind eingepackt und los gehts zum Flussufer. Es ist wahrscheinlich einer der letzten Sonnentage in diesem Jahr.

Er ist schön der Spätsommer. Er ist so freundlich, so unaufgeregt. Das Gras ist grün und riecht gut, der Kaffee schmeckt, es ist windstill, beinahe, der Rauch meiner Zigarette dreht Kapriolen, es ist schön hier. Hier mag ich sein.

Während ich da so vor mich hin rauchend, im Gras und in der Spätsommersonne liege, fällt mein Blick auf die Treppe, die hinunter zum Ufer führt. Ich sehe die Treppe und denke an Istanbul und an die Regenbogenmacher.

Während hier die CSDs abgefeiert sind, die Regenbogenfahnen frühlingsfrisch gewaschen und ordentlich gebügelt zurückwandern in den gepflegten homosexuellen Wandschrank, um im Dunkeln auf ihre Befreiung im nächsten Jahr zu warten, sind sie in Istanbul allgegenwärtig. Die Regenbogen. Überall. Überall in der Stadt.

Der Irre am Bosporus glaubte allen Ernstes und glaubt es noch immer, er könne mit Tränengas, Polizeiknüppeln, Wasserwerfern und medialer Diffamierung, die Opposition mundtot machen und in die Gosse spülen. Denkt er. Ja, die Demonstrationen sind kleiner und weniger geworden, dennoch sie sind da. Allabendlich öffnen sich Fenster in den Stadtteilen und Menschen schlagen mit Löffeln auf leere Töpfe, sie treffen sich zu Vollversammlungen in den städtischen Parks. Sie, die Aufständischen organisieren sich neu.

Und eines morgens rieben sich Istanbuler Frühaufsteher verwundert die Augen. Eine große, triste Betontreppe, die vom Bosporusufer in den Stadtteil Beyolu und weiter zum Taksim Platz führt, hatte sich über Nacht in einen Regenbogen verwandelt. Das Netz war voll davon und alle waren begeistert. Ein riesiger Regenbogen über Nacht.

Nun beginnt die Posse. Der Bezirksbürgermeister von Beyolu war nicht begeistert. Er vermutete hinter dieser Aktion Aktivisten der Gezi Park-, der Taksim- bzw. der Schwulen- und Lesbenbewegung. Er schickte seine Mannen los und ließ den Regenbogen übertünchen. Alles war wieder grau und dennoch zu spät. Zu spät.

Die Treppe am Bosporus war wieder grau. Es stellte sich heraus, dass ein Pensionär in Zusammenarbeit mit seinem Schwiegersohn dieses Kunstwerk in der Nacht geschaffen hatten, weil beide die große, graue Treppe nicht mochten. Nix Gezi Park, nix Taksim, einfach nur so. Die Treppe war hässlich und grau. Nun wurde sie über Nacht bunt, kurz danach wieder grau und zum Symbol, für Istanbul.

Also das Netz war voller Aufrufe, voller Begeisterung und der Bezirksbürgermeister von Beyolu bekam Fracksaußen. Abermals zu spät. Er schickte seine Malermeister los, ließ sie nun den Regenbogen auf/an der Treppe wiederherstellen, doch zu spät. Viel zu spät. Hunderte, Tausende von Treppen in Istanbul hatten sich wie durch ein Wunder über Nacht in Regenbogen verwandelt, dank der Regenbogenmacher.

Es gibt so viele Treppen auf der Welt, traurige, graue Treppen – sie warten, die Treppen…

Her Yer Taksim – Her Yer Direniş! – Überall ist Taksim – Überall ist Widerstand!

PS: Nein Herr Kauder, Europa spricht nicht Deutsch. Europa spricht Regenbogen.
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