Alle auf die Brücke. TOMA A PONTE. Alle auf die Brücke. TOMA A PONTE, das war der Schlachtruf. Gerufen hatte die CGTP, der größte Gewerkschaftsverband in Portugal, landesweit aus Protest gegen das neue 3,9 Milliarden „Sparpaket“, das für 2014 im Parlament geschnürt wurde und nun verabschiedet werden soll. Aufgerufen wurde zu Großdemonstrationen auf zwei Brücken, in zwei Städten, in Lissabon auf der Ponte de 25 Abril und in Porto auf der Ponte do Infante. Der Protest richtete sich gegen die weitere Verarmung und Ausbeutung der portugiesischen Bevölkerung durch weitere „Sparmaßnahmen“ der Regierung, die durch die Troika dominiert wird.

Die „Marionetten-Regierung“; das Kaninchen „Coelho“ ist dünnhäutig geworden. Mehrere Generalstreiks, die das Land lahmlegten, Demonstrationen, von Tausenden, Zehn-, Hunderttausenden, zuletzt von 1,5 Millionen Menschen die, die den Rücktritt der Regierung und den Rauswurf der Troika forderten und fordern. Diese „Regierung“ hat die Hosen gestrichen voll. 

Bei den Kommunalwahlen vor wenigen Wochen wurden alle an der Regierung beteiligten Parteien „abgewatscht“, landesweit. Ja, sie haben die Hosen gestrichen voll. Brüssel, Berlin, New York auch, auch sie die Regierungs- und Finanzeliten haben die Hosen voll.

Nun ist es amtlich. Die Ponte de 25 Abril weist Sicherheitsmängel auf. Großdemonstrationen hält dieses Bauwerk nicht stand. Die Ponte 25 de Abril, die zweitlängste Hängebrücke der Welt mit kombiniertem Straßen- und Eisenbahnverkehr hält den Belastungen von Großdemonstrationen nicht stand. Laut drei eiligst aus den Schubladen gezogenen Gutachten gäbe es erhebliche Sicherheitsrisiken… der Marsch über die Brücke des 25 April, dem Nationalfeiertag Portugals, dem Tag der Revolution, dem 25. April 1974, dem Tag an dem das dienstälteste faschistische Regime Europas gestürzt wurde, dieser Marsch wurde verboten. 

Die CGTP akzeptierte dieses Verbot knurrend. Sie mochte ja keine unschuldigen Gewerkschaftsmitglieder auf ein derart marodes Bauwerk locken… Solidarische Mitaufrufer, wie Que se Lixe a Troika (Fuck the Troika) hätten es wohl auf einen Versuch ankommen lassen, fügten sich aber wütend dem Verbot. 

Der Belastungstest für die Brücke kam. Er kam nicht mit demonstrierenden Menschenmassen er kam, am 19. Oktober 2013, in Form einer Reisebuskolonne von mehr als 400 Fahrzeugen, die voller Demonstranten, laut hupend, die „marode“ Brücke der Revolution im mutigen Selbstversuch überquerten, dem Verbot der Kaninchenregierung trotzten und von Zehntausenden im Lissabonner Stadtteil Alcântara jubelnd begrüßt wurden.

Das Kaninchen wollte die Bilder nicht*. Nicht die Bilder wie sich zehntausende wütender Menschen über die Brücke des 25. April, der Brücke der portugiesischen Revolution, auf „seinen Regierungssitz“ zu bewegen. 

Mehrere Zehntausend beteiligten sich in Lissabon an der Demonstration, genaue Zahlen sind (seltsamerweise) nirgends zu finden. Porto, die Stadt im Norden, die Stadt mit der „stabileren“ Brücke, hat auf dieser demonstriert und spricht von mehr als 50.000 Teilnehmern…

Das war der 19. Oktober 2013, kurz 19O in Portugal, nun ruft Que se Lixe a Troika für den 26. Oktober 2013 unter dem Motto: Que Se Lixe a Troika! Não há becos sem saída! (Fuck the Troika! There are no dead ends!, Fickt die Troika! Es gibt keine Sackgassen!**). 26O; die angekündigte Demonstration wird an, auf, oder im portugiesischen Parlament ihren Abschluss finden… . Ob an, auf den Treppen des Parlaments, oder ob im Parlament selbst, wird sich zeigen… Vertreter von Que se Lixe a Troika wurden schon zu „Gesprächen“ bestellt… Möglicherweise weisen ja auch die Treppen zum Parlament, gar das Parlament selbst, erhebliche, sicherheitsrelevante, bauliche Mängel auf, die auch dieser massenhaften Demokratieäußerung nicht gewachsen ist.

Vorsorglich hat nun die CGTP, der Gewerkschaftsbund, den 1. November als mögliches Datum für einen erneuten landesweiten Generalstreik, der zweite in diesem Jahr, lanciert. Ja, das Kaninchen hat Probleme, nicht nur bauliche, es hat echte Probleme…

http://youtu.be/Hf_6DbOdSdM

* Bilder, die die gekauften Demokraten nicht mögen; wer sich hier an die Kesselung der Blockupy Demonstration 2013 in Frankfurt erinnert fühlt, der stellt offensichtliche Zusammenhänge her.

** Alternativlos/Sackgassen/Dead ends/…

Coelho estufado com vinho tinto – Kaninchen in Rotwein geschmort – Bom Apetite!

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