Ach was. Iwo! Kein Aufruhr – im Ländle… Erhitzte Gemüter, 3 Online-Petitionen, 1 Demo, 1 Gegenkundgebung, Rangeleien, Blockade, sowie Abbruch der Demo „der besorgten Eltern“ und eine Entsolidarisierung …

 

Worum geht‘s? Die grüne-rote Landesregierung in Stuttgart will im Lehrplan 2015 die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ integrieren. Das rief die Kritiker auf den Plan. Eine Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ ging online und fand rasch über 190.000 Unterzeichner. Darauf reagierten Befürworter des Lehrplans 2015 ihrerseits mit gleich 2 Petitionen…

Das erhitzte die Gemüter auf beiden Seiten und in der Medienlandschaft wurde viel über „die besorgten Eltern“ geschrieben. Da „die Besorgten“ sich einfach nicht beruhigen wollten, wurde nun am 1. Februar in Stuttgart zu einer Demonstration unter der Überschrift: „Gegen die Indoktrination unser Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015“ aufgerufen. „Die Besorgten“ trafen sich auf dem Schlossplatz. Unter Transparenten mit Parolen wie… „Frühkindliche Sexualisierung“, „Gegen Pornounterricht“ und „Für den Schutz der Kinder“ sammelten sie sich. Mobilisiert zu der Demonstration hatten das antimuslimische Hetzportal PI-News, die Piusbruderschaft, die „Russisch-Orthodoxe Kirche“ in Stuttgart und der Landesverband der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Und so mischten sich unter „die besorgten Eltern“ Mitglieder der Afd, der JN (Junge Nationale/NPD), der „Konservative Aktion Stuttgart“ (KAS), der „National Socialist Black Metal (NSBM)“ sowie Vertreter der russisch orthodoxen Kirche und russische Spätaussiedler, um ihren homophoben Verschwörungstheorien freien Lauf zu lassen.

Ein paar Gehminuten weiter auf dem Schillerplatz sammelte die Gegenveranstaltung zu der die Linksjugend [solid] mit Unterstützung des Bündnis 90/Die Grünen und der IG CSD Stuttgart e.V. aufgerufen hatte. Es gab Redebeträge, Redebeiträge, Redebeiträge und irgendwann war die Veranstaltung zu Ende… es sollte keine Gegendemonstration geben. Sollte! Es gab sie doch, die Gegendemonstration, es gab Blockadeversuche, Kiss-Ins, es kam zu Schubsereien, Rangeleien und zur Blockade der homophoben Demo, was zum Abbruch der Veranstaltung führte. So weit so gut.

Der IG CSD Stuttgart e.V. distanzierte sich von der Gegendemonstration, sprach von Störenfrieden und heftigen, unangemessenen Protesten, sprach von „Gewalt“ die weder dienlich noch im Sinne unserer gemeinsamen Sache ist … Das ist Entsolidarisierung, das ist Spaltung und das hilft niemandem.

Seht Euch, IG CSD Stuttgart e.V.,  die Aktionen gegen die Nazi-Aufmärsche in Dresden, Magdeburg, Frankfurt am Main und, und, und an. Vor allem die entschiedenen Blockaden haben die Rechten gestoppt, es ihnen nahezu unmöglich gemacht ihren menschenverachtenden Hass auf die Straße zu tragen. 

Wer über Homophobie redet, muss über Rassismus reden. Wer über Rassismus redet wird über Faschismus reden und wird sich diesem entschlossen entgegenstellen müssen. Die Unterscheidung in gute und schlechte Demonstranten ist hier nicht hilfreich… im Gegenteil.

Auf der Webseite der IG CSD Stuttgart e.V. prangt ganz oben neben dem Logo „Wir machen AUFRUHR! seit 1969“ – Aufruhr? Aufruhr, oder doch „Bratwurstessen gegen Homophobie“?

Schaut nach Frankreich, schaut nach England, schaut nach Ungarn, schaut nach Polen oder Russland und ihr werdet sehen welche Massen sich mobilisieren lassen, wenn sich der klerikale Mob mit dem rechten Mob verbündet und die bürgerliche Gesellschaft sich „besorgt“ einreiht. Die liberale Firniss der Gesellschaft ist hauchdünn und die Ressentiments gegen uns sitzen verdammt tief. Wir können entschlossene Bündnisse und Allianzen verdammt gut gebrauchen, wir werden sie brauchen.

http://www.youtube.com/watch?v=9iKTOKidwEE

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