Liebe Textende, schon am Textende? Mein Freund sagte ja: Die Welt geht zu Grunde und Du schreibst über Werbung? Ja, mach ich. Zum Einen, weil ich so langsam den Überblick zwischen all den Katastrophen (IS, Ukraine, Ebola) verliere und nicht ständig noch jemand die Fürchte-Dich-Flagge hissen muss und zum Anderen, weil ich jeden Tag weniger verstehe, wie am Ende eines wochen- oder monatelangen Prozesses, in den viele Menschen und Freigaben involviert sind, ein sprachlicher Mumpitz stehen kann, wie er uns täglich von Plakaten und aus dem TV entgegengekotzt wird.

Ich mag nunmal die deutsche Sprache. Das kommt sicher schon daher, dass ich sie, Muttersprache, die sie nunmal ist, von den drei Sprachen, die ich kann (German, English, Rubbish) am besten beherrsche. Man muss kein Rechtschreibfetischist sein, um zu bemerken, dass mit meiner (ich schreib’ nicht „unserer“, vielleicht ist’s ja Deine nicht und das macht ja nix) Muttersprache Schindluder getrieben wird, dass es nicht mehr feierlich ist. Leider auch in Medien, Nachrichten und anderen Texten, aber die schreien mich ja nicht so an, wie XXL-Plakate oder depperte Werbespots. Und Ihr kennt mich, wenn ich mich mal in so’n Thema verbissen hab, dann finde ich aber auch einen Mist und kann mich drüber aufregen. Und dann geht’s mir tage- wochen- monatelang nicht aussem Kopf. Wenn’s gut läuft, schreib ich dann auch drüber. Und nun haste den Salat.

So sieht mein Rückenschmerzgesicht aus. Dank diesem Schmerzgel sieht es jetzt wieder so aus.

Haste auch schon gesehen, ne? Gibt’s auch noch mit Kopfschmerzgesicht und allerlei anderen Schmerzgesichtern. Hör ich so, den Satz, lass ihn kurz marinieren und denke dann: Aha, was macht das Zeug denn? Gesichter? Entspannt’s die Mundmuskulatur? Denn offensichtlich ist das Schmerzgesicht ja noch da – es sieht nur anders aus. Das „es“ im zweiten Satz bezieht sich auf das Schmerzgesicht – klar, oder? Der ganze Satz würde also lauten: „Dank diesem Schmerzgel sieht mein Rückenschmerzgesicht jetzt wieder so aus.“ Da gratulier ich, aber auftragen würde ich ein solches Höllenzeug nicht. Wenn mir was wehtut, dann stört mich nicht wenn man das an meinem Gesicht ablesen kann, dann wäre ich gerne den Schmerz los. Da schau ich mich also lieber nach einem anderen Mittelchen um.

Log in and work out.

Bravo Dschümondo. Das hat ja schon bei Douglas so gut geklappt, dass man den „Come in and find out“-Slogan ganz dringend kopieren muss. Melde Dich an und arbeite Dich wieder raus?.

Und damit Sie wissen, woran Sie sind, gibt es einen Frühbucherrabatt von 30%

Jippieh. Frühbucherrabatt. Wo soll die Reise denn hingehen? Wenn’s nach dem Werbespot geht, aus dem dieser wahnsinnig originelle Satz stammt, dann in die Küche. Schon vorbei mit jippieh. Heißt’s aber tatsächlich, bei Küüüchenquelle (wenn die Lady Küüüüche sagt, ist mein Spaß schon vorbei). Dort gibts einen Frühbucherrabatt auf Küchen. Da muss man drauf kommen, hätte ich gesagt, wenn ich nicht denken würde: welcher Schwachkopf ist darauf wohl gekommen?

Erstmal Entspanien.

Wo ich grad bei Frühbucherrabatten bin. Bei „Erstmal Entspanien“ hat aber auch jemand ganz tief in die Wortspielkiste gegriffen. Gab bestimmt ’nen Riesenapplaus im Meeting. Ist aber, wenn ich darauf aufmerksam machen darf, nun wirklich gründlich schiefgegangen. Was nämlich die Vorsilbe „ent“ mit einem Wort anrichtet, kann man schon fein aus dem Wort auslesen, das hier ersetzt wurde: „entspannen“. Sich zu entspannen bedeutet, die Spannung zu lösen, die Spannung zurück zu führen, wegzunehmen. Bedauerlicherweise ist aber nun „Erstmal Entspanien“ der Slogan eines Reiseveranstalters. Ich weiß nur nicht, wozu ich den brauchen sollte, um mir Spanien wegnehmen zu lassen.

Alpecin ist Doping für die Haare. Nur für die Haare.

Puuuuh. Was soll der Quatsch? Wenn ein Slogan nix taugt, dann schmeißt man ihn weg. Ich frage mich, was da im Meeting geschehen ist. Ist der Geschäftsführer aufgestanden und intervenierte, weil jemand – ohjeeeeeee – „Doping“ gesagt hat? Waren die Werbe- und TV-Plätze aber schon gebucht? Kam dann der Kreativdirektion die fabelhafte Idee – da ja keine Zeit mehr sei für einen neuen Slogan – diese dämliche Einschränkung „Nur für die Haare“ hintendran zu packen? Schade, dass Alpecin kein Doping für Kreative ist.

Herzhaft statt hüfthaft.

Hüfthaft? Echt jetzt? Jene, die sich das ausgedacht haben, möchte ich reflexhaft in Einzelhaft stecken – ohne Stift und Papier versteht sich. Davon mal abgesehen, dass sich mir die Zehen aufwickeln, wenn ich die beiden Spacken im TV-Spot von „Quäse“ faseln höre, bei „hüfthaft“ fliegt mir vollends das Tablett weg. Wie schreibt der Duden so fein zum Suffix „haft“: drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass die beschriebene Person oder Sache vergleichbar mit jemandem, etwas oder so geartet wie jemand, etwas ist. Beispiel: baby-, novellen-, rattenfängerhaft. Qäuse ist also nicht wie eine Hüfte. Gut zu wissen. Zu toppen wäre die Nummer nur noch, wenn dieselben Kasper es auf dem englischen Markt versuchten, vielleicht mit „Queese: hearty, not hippy.“

Ganz ehrlich: Ich mag keine Kompromisse.

Klingt nun auf den ersten Blick nicht schäbig – nichtmal, wenn er in riesigen Lettern von einem XXL-Plakat schreit. Zugegeben, eine Kampagne, die mit „Ganz ehrlich“ zum Beginn jedes Spots oder Plakats arbeitet, stimmt mich grundsätzlich vorsichtig. Es ist gelogen, aber das ist ja keine Überraschung. Richtig schwierig wird’s, wenn man drunter schaut und sieht, dass dieser Satz dem Surface-Tablet von Windows gilt. „Jaja, der Apple-Boy drischt auf Windows ein“ höre ich Dich denken. Mach ich gern, aber darum soll’s nicht gehen. Das Surface ist ein Tablet mit einer optionalen Tastatur, darauf ein Betriebssystem, welches auf PCs ebenso läuft wie auf Tablets. Somit erinnert es mich an Kopierer, die auch scannen, faxen und ausdrucken können. Nix dagegen zu sagen, aber es ist nunmal bekannt, dass solche Geräte alles ein bisschen und nix so ganz richtig können. „Ich mag keine halben Sachen“ scheint mir hier die richtige Beschreibung, aber wenn ich keine Kompromisse mag, dann lasse ich doch folgerichtig die Finger von Multifunktionsgeräten! Ach und Windows, warum kann eigentlich keine/-r Deiner Schauspieler/-innen der „Ganz ehrlich“-(spuck)-Kampagne Touch screen sagen? Klingt immer wie Tatschkrien – so ganz ohne das S in der Mitte. Wäre eigentlich nicht so schwer.

Im Freibad merken, dass es auch zu Hause plätschert.

So stand’s auf einem Plakat für Smart Homes. Und ich denk’ so „dass“? Nicht „wenn, ob“ oder „falls“? Wirklich „dass“? Ist das als Feature fest eingebaut, dass die Waschmaschine zu Hause ausläuft, wenn die Familie ins Freibad hüpft? Okay, das ist technisch ausgereift und irgendwie auch auf dem neuesten Stand, aber ist’s auch smart? Ich lass die Frage mal so stehen.

Sunil. Mit der Kraft der Sonne.

AAAAAAAAAH!!!! Ich muss weg!

Antifarbtransferformel.

Sehe ich den aktuellen Spee-Spot (das ist das mit dem albernen Zeichentrickfuchs), möcht’ ich mich immer beömmeln, wenn’s am Schluss heißt: „Mit Antifarbtransferformel“. Möchte ja wohl eigentlich Anti-Farbtransfer-Formel ausgesprochen werden, klingt im Spot aber wie Antifarb-Transferformel. Viel Erfolg mit der Bleiche.

Wir lieben Lebensmittel. Wir lieben Autos. Weil wir Schuhe lieben.

Hat eigentlich noch irgendwer Bock auf Kunden? Fragen wird man dürfen, wenn die Liebe offenbar auf’s Produkt entfällt.

…und was hat eigentlich die Turnschuh-Werbung mit Müller, Neymar und Pelé mit Autos zu tun?

Dubai sein ist alles!

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