Titelbild Das Projekt laeuft bereits

Na, das kann ja heiter werden. Der erste Tag im „Neuen“ und es ist Äh-Bäh. Schmuddelwetter. Regen. Trist. Grau. Pfui. Nix wie zurück ins Bett. Das „Neue“ kann mich mal. Vorerst. Ein paar Tage noch. Kreuzweise. Mit Kaffee, Zigaretten und Notebook „bewaffnet“ zurück ins Bett. 2012. Europa. Wo fängt man da bloß an, hmm? Kein langes Herumgerede. Wozu auch. Man fängt mit der „Krise“ an. Die „Krise“, der gehts gut, die sitzt fest im Sattel. So richtig fest im Sattel. Allen Maßnahmen und Rettungsversuchen zum Trotz. So mancher Dressur-, Spring- oder Vielseitigkeitsreiter könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Fest. Echt fest. … So, das war jetzt der „Sportteil“. Mir fröstelts und es ist niemand da zum ankuscheln. Socken an. Dicke Wollsocken.

Puh. Geschafft. So ist’s besser. Wo? Wo, waren wir? Genau. 2012. Europa. Krise. Vor Jahren ging etwas schief. So richtig schief. Da drüben beim „Großen Bruder“. In der Folge auch hier. Hier. Hier bei uns. Seit dem haben wir den Salat. Es wurde hektisch getan, was aufgeregt getan werden musste, dennoch es half alles nichts. Es wurde nur noch schlimmer. Das mit der Krise. Das mit den dicken Socken war eine gute Idee. So ist’s kuschlig. Hah!

2012. Europa. Krise. Brüssel. Ein Gipfel jagt den anderen. Krisen- und Rettungsgipfel am laufenden Band. „Der Reiter“ erhält dauernd neue Namen und sitzt fest im Sattel. Nach der Banken-, Spekulations-, Schulden-, Finanz-, Euro- nun auch noch Europakrise. Na Bravo. Was noch. Staatskrise. Nein. Staatskrise. Staatskrise, nein die haben wir nicht. Ok. in Südeuropa vielleicht. Hier, klar und eindeutig. NEIN.

Staatskrise, tss. Was denn noch. Sinn- oder Identitätskrise, vielleicht. Systemkrise. Das könnte euch so gefallen. Nix da. Wir müssen nur hier und da etwas nachbessern, nachjustieren und, und das ist ganz wichtig, zusammenhalten und ganz, ganz feste daran glauben. Glauben. Glauben. GLAUBEN. Verdammt noch eins. Dann. Dann und nur dann wird alles wieder gut. BOAH. Is mir schlecht. Grad eben. Ruhe bewahren. Tief Ein- und Ausatmen. Gut so. 21, 22, 23. … Siehste. Geht doch.

Zugegeben. Das ganze Rettungszinnober hat bisher, wenn überhaupt, dann nur für die „Retter“ Sinn gemacht. Die „Geretteten“ sind gelinde gesagt noch beschissener dran als vorher. Klar. Klar sind die sauer. Mächtig sauer. Zurecht. Nein. Nicht deren Regierungen, Banken und Profiteure. Der Plebs. Der Plebs, das Fußvolk, wir, also wir sind mächtig sauer und verzweifelt. Früher nannte man uns noch Bürger oder Volk. Der gesamte südeuropäische, und nicht nur der, Plebs ist sauer. Stinksauer. Gehört Irland auch zu Südeuropa. Hmm, egal. Der Plebs demonstriert, streikt und generalstreikt was das Zeug hält. Hört einfach nicht mehr auf – die hören einfach nicht mehr damit auf (2012|S, 2012|O, 2012|N). Die Undankbaren. Echt jetzt. Hört auf.

Trotz aller Rettungsversuche. Gutem Zureden. Die schlechte Laune des Packs will einfach nicht verfliegen. Mehr und immer mehr von denen schreien Dinge wie „Wir wollen unser Leben zurück. Tss, Leben zurück!?! Als hätten die jemals eines gehabt. Ein Leben. Guter Witz. Die Illusion eines solchen, gut, das war Teil des Plans und der hat Jahrzehnte wunderbar funktioniert. Wie hieß die Agentur gleich nochmal? Nette Leute, gebildet, angenehm im Umgang. Gute Agentur. Sicher, da waren auch ein paar Schwule und wahrscheinlich auch Lesben darunter, was solls. Nett, hilfreich, flexibel und handzahm. Nette, ausgesprochen nette Leute.

OOOps. Da wäre doch fast das Thema flöten gegangen. Wo waren wir. Genau, bei schlechter Laune. Da waren wir. Nicht bei netten jungen Leuten. Also. Thema. Die schlechte Laune. Diese schlechte Laune lässt sich kaum noch verschweigen. Die Medien haben alles, alles erdenkliche und menschenmögliche getan um sie, die schlechte Laune von uns fern-, ja abzuhalten. Tapfer. Echt tapfer. Ja, tapfer, dass muss einfach mal gesagt werden. Tapfer. Demokratisch unbedenklich, öffentlich-rechtlich und steuerfinanziert, von äußerst verantwortungsvollen Aufsichtsräten kritisch begleitet und demokratisch kontrolliert, wurde das Schlimmste bisher verhindert. Die schlechte Laune der Geretteten kam nicht zu uns durch. Sie. Wir. Man blieb auf dem Teppich. Dem roten Teppich. Hach, das Leben kann so schön sein. Warme Socken. Kaffee. Zigaretten … im Bett. An so einem Tag. Den Ersten im Neuen. Hach.

Eingenickt. Wirklich. Nur kurz eingenickt. Sorry. Wo warn wir. Ach ja. 2012. Europa. Krise. Wir. Hier. Gut gelaunt. Richtig gut gelaunt. Alle. Alle, nein nicht alle. Da zelten welche. Da trommeln welche. Nachmacher. Hey Ihr. Nicht alles was aus Amerika, dem Hort der Demokratie kommt ist super. Ihr Wirrköpfe. Echt wahr. Diese Zausel. Wo die heutige „Jugend“ doch sonst so überaus nett und gut zu gebrauchen ist. Sie, die Guten, die Hübschen haben verstanden: iPhones, iPads, iBooks, iMacs, iApps und iTunes das ist super. Echt super.

Dafür – nur dafür lohnt es sich zu campen, sich öffentlich zu versammeln. Das Schöne daran ist, es wird auch von den Leistungsträgern, den Eliten,  gerne gesehen und geduldet. Ja. Ja, das hat Nachrichtenwert. Das wird gesendet. Die jungen Leute bleiben auf dem Teppich, ganz ordentlich. Das sind Nachrichten. Was für ein Jahr. Dieses 2012.

Fast. Fast wieder. Fast wieder eingenickt. Fast. OK. Schon gut. Ich mach ja hin. Mehr Kaffee. Zurück zum Thema. Gezelte. Getrommel. Kein roter Teppich. Ärgerlich. Wirklich ärgerlich, das schon, aber gerade noch zu Ertragen. Dieses Getrommel. Wären da nicht diese unsäglichen, zum Himmel stinkenden, unhaltbaren hygienischen, für den Fortbestand der westlichen Zivilisation äußerst bedenklichen Zustände gewesen, ihr könntet heute noch zelten und trommeln. Ehrlich. Ganz ehrlich. Ehrenwort unter Demokraten. Wir hätten das hingenommen. Zähneknirschend zwar, aber hingenommen. Das Gezelte und Getrommel.

Kaffee. Kaffee, nu is aber gut mit Kaffee. Rotwein. Rotwein das passt zu … ach, Rotwein passt. Also weiter. 2012. Europa. Krise. Gezelte. Getrommel. Schön wärs gewesen. Wäre es dabei geblieben. Wäre. Blieb es aber nicht. Warum nur. Uns geht es doch, noch, gut. Gut. Gut … Es geht uns doch Gold.

Nö. Nö. So trommelt es herüber. Nö. Trommel, trommel. Stimmt. nicht. Nö.

Stimmt nicht. Stimmt nicht. Stimmt nicht. Das war offener Widerspruch, dieses „Stimmt nicht“. Ganz klar. Widerspruch. Au warte. Nu kommts. Plötzlich gab es da einige. Einige. Die wollten nicht mehr nur zelten und trommeln. Nö. Wollten die nicht. Die wollten Solidarität. Solidarität. Solidarität mit den Schlechtgelaunten aus Südeuropa. HÄ? Was? Was wollt ihr? Solidarität? Was’n das? Neumodischer Kram. Das versteht hier keiner. Echt keiner. Sie wollten das und sie taten das. Genau das.

Kaum eine Woche in 2012 verging ohne Kundgebung, Demonstration, Streik, Generalstreik, Geplärr und Gebrülle. Stundenlang, tagelang, wochenlang. Monat für Monat. Immer dieses „Weg mit“, „Her mit“ und schlimmeres wurde skandiert, gerufen, ja sogar lauthals geschrien.

Die Verantwortlichen, die Regierungen, die Retter in Brüssel und die öffentlich, rechtlich, demokratisch, verantwortungsvoll und ausgewogenen Medien gaben sich unbeeindruckt. Gelassen. Souverän eben. Wir reden nicht über, schon garnicht mit Schmuddelkindern. Das hat keinen Nachrichtenwert. Gut so. Recht so.

Trotz der Socken, des Rotweins und der Kuscheldecke. Kalt. Kalt. Grad eben. Saukalt. Brrr. Saukalt und irgendwie unfreundlich. 2012. Krise. Saukalt und unfreundlich. Kontrolle. Es war alles unter Kontrolle.

Das Gezelte. Das Getrommel. Das Herumgelatsche. Das Gestreike. Selbst das Generalgestreike. Das Rufen. Das Geschrei und Gebrülle, alles unter Kontrolle. Easy. Echt easy. Wir haben die Mikrophone, die Kameras, die Rede-, und Sendezeit. Easy, alles easy.

Da machte es Bautz, Feuerwerkskörper wurden gezündet, Steine flogen, Müllkontainer brannten und dergleichen mehr. In Südeuropa und vereinzelt auch in Nordeuropa. Furchtbar. Echt furchtbar. Ganz schlimm. Wirklich schlimm. Die Politiker, die Märkte, die Verantwortlichen blieben ruhig. Nicht alle, die meisten schon, vor der Kamera wenigstens. Die Medien. Ruhig. Nix da. Die heulten unisono auf. Laut und deutlich. Es wurde gesendet. Gesendet was das Zeug hält.

Darüber musste man berichten und senden. Das war Gewalt rohe und sinnlose Gewalt. Das war gegen die Vereinbarung. Proteste. Proteste auf offener Straße, wenn schon nicht vermeid- dann doch bitte verschweigbar, friedlich und gewaltfrei. Das war abgemacht. Euer Recht. Euer gutes Recht. Wenn es bei Getrommel und Herumgelatsche bleibt, fein. Alles fein. Dann reden wir nicht drüber. Versprochen. Verstanden?

Boing. Versprechen gebrochen. Dafür gibt’s Schelte. Dafür gibt’s Haue. Dafür gibt’s Sendezeit. Es wird geplappert, herum moderiert und kommentiert. Dürfen die das, Feuerwerkskörper und Steine planlos unter Getrommel und Gebrüll herumwerfen. Nein. Nein das dürfen die nicht. Das ist undemokratisch.

Scheinheilig. Heuchlerich. Berechnend. Verlogen. Machtbewusst. Ignorant. Es wird warm im Bett mit den dicken Socken. Undemokratisch. Wer war und ist hier denn undemokratisch? Das Gezelte, das Getrommel, das Gedemonstriere, das Gerufe, das Gestreike, das Genrealgestreike, das laute Gebrüll, das alles ist zutiefst demokratisch. Undemokratisch ist die ignorante von sich selbst besoffene Macht, die nichts weiter tut als nur sich selbst zu retten. Das, meine Damen und Herren, das ist zutiefst undemokratisch dafür wurdet ihr nicht gewählt und schon garnicht aus Steuermitteln bezahlt. Die paar Steine und Feuerwerksköper wurden nicht planlos umher geworfen. Nein. Offenbar flogen diese exakt in richtige Richtung.

Wo es grad so kuschelig ist. Dank der dicken Socken, der Zigaretten und des Rotweins. Werfen. Wir waren beim Werfen. Lasst die Steine liegen. Lasst die Steine liegen. Lasst die Steine liegen. Stattdessen. Werft ihnen eure Lohnabrechnungen, werft ihnen die Stromrechnungen, werft ihnen die Hartz IV-Fragebögen und -Bescheide, werft ihnen die Stimmzettel, werft ihnen die Audis, BMW, Mecedese, Porsches, werft ihnen die Smartphones, Tablets, Note- und Thinkpads, Laptops, werft ihnen eure Praktika, 400 Euro Jobs, Ich AGs, werft ihnen eure verhassten Jobs, werft ihnen das Biofutter, werft ihnen die Kochsendungen, die Casting-Shows, die Soaps, die konstruierte Popmusik, die Fußball-Events, das Skigespringe, das Radgefahre, den Fitness-Humbug, die Song-Contests, die Popstars, die Models, die All-inclusive-Resorts, werft ihnen die Markenartikel, den Billigschund, werft ihnen dem ganzen Marketingdreck um die Ohren und vor die Füße. Behaltet die dicken Socken, die Zigaretten und den Rotwein. Fangt an zu Leben. Verdammt.

Wir sehen uns auch 2013 auf der Straße wieder. Auf der Straße. Da wo wir hingehören. Mit noch mehr Trommeln. Mit noch mehr Geschrei und Gebrüll. Bis es auch die letzten begriffen haben. Wir. Wir wollen ein Leben. Die Elite kann ihren Kram, ihre Krise, packen und zu Putin umziehen der sucht neue Leute, nicht wahr Gérard (Depardieu), arme Socke, Mon Dieu.

Die Steine lasst einfach liegen. Die können wir noch brauchen. Gut gebrauchen. Später. Vielleicht werden Häuser daraus, mit etwas Glück Architektur. Wer weiß. Wunder geschehen. Manchmal. Bis dahin lasst sie liegen, die Steine und schreit, trommelt euch die Seele aus Leib. Wir wollen ein Leben. Leben. Keine Produkte. Leben. Nur ein Leben, das Getrommel hört sofort auf und die Steine bleiben liegen.

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