Titelbild Kadmiumgelb

Es ist Freitag. F.R.E.I.tag! Dieser Tag hat seinen Namen verdient. F.R.E.I. F.R.E.I. F.R.E.I. Ein freier Tag. Das nenne ich einen guten Anfang, einen guten Tag. Ich wünsche der ganzen Welt glückliche freie Tage an diesem F.R.E.I.tag. Die WeckAPP ignorierend, es ist ein, mein F.R.E.I.E.R. Tag, liege ich im Bett und kann mein Glück kaum fassen. Doch ich kann es fassen, aber das ist eine andere Geschichte. Heute habe ich, bin ich frei und drehe mich einfach noch einmal um. Kuschel mich noch einmal ganz fest ein. Frei ganz frei. M.O.A.R.H.R.

Ein, zwei Stunden später stehe ich auf, schaue aus dem Fenster, auf den Fluss, in die Frühjahrssonne die endlich auf den Wellen tanzt, denke mir nichts, kratze mich am Hintern und bin glücklich. Ein schöner Tag, ein sehr schöner, freier Tag. Ein ungezwungener Wohlfühltag, denke ich mir und gehe langsam auf nackten Sohlen in die Küche. Ich setze Wasser auf, spüle die Presskanne, gebe zwei gehäufte Esslöffel Kaffee hinein, und kehre zurück zum Fenster.

Es ist ein schöner, sonniger Tag, ein Frühlingstag, endlich denke ich und bin froh. Während ich so dastehe kann ich aus der Küche hören, dass die Herdplatte dem Topf mit Wasser schon ordentlich Zunder gibt, sie hat heute nicht frei, ich aber schon.

Es ist ein wohliges Geräusch, es rumpelt und zischt, ganz, ja, ganz zärtlich. So möchte ich auch gerne arbeiten dürfen an den unfreien Tagen, denke ich mir und kratze mich am Hintern. Kratze mich und denke mir, Mann, Mann, die Fenster hätten es einmal nötig. Verwerfe die unfreien Gedanken sofort wieder und beschließe: Wenn ihr sauber sein wollt, dann wascht euch – gefälligst. Damit ist das Thema durch und das Wasser kocht.

Das Wasser kocht. Das Wasser kocht und das ist mir gerade etwas zu fordernd, ja fast aggressiv, beinahe feindselig, das Kochende. Ungemütlich rumpelt es im Topf herum und der gibt es ungefiltert an die Herdplatte weiter. Ärgerlich und im höchsten Maße störend. ICH HABE HEUTE FREI. Begrijpt u het.

Ich gebe meine Position am Fenster auf und beseitige dieses Ärgernis in der Küche. Der Kaffee ist nun aufgegossen, so, und zur Strafe bleibt er nun stehen bis er schwarz wird. Keine Diskussion. Ich habe frei und ich entscheide vollkommen autonom was geschieht und was nicht.

Das Telefon stelle ich jetzt zusammen mit der Klingel ab. Nichts kommt mir zwischen mich und meine Freiheit, an diesem Tag. Der Kaffee bleibt zur Strafe stehen und da es ein freier Feiertag ist. Befreie ich den Weißwein aus seinem Verlies.

Rauchend stehe ich wieder vor dem Fenster und freue mich über die gelblich grünen Lichtreflexe die das Glas Wein in Zusammenarbeit mit der Sonne auf die Wand zaubert. Beide haben heute nicht frei, aber ich schon und darf das Schauspiel genießen. Vollkommen frei.

Ein, zwei Schluck und tiefe, genussvolle Lungenzüge aus der filterlosen, selbstgedrehten Zigarette später schweift mein Blick am Flussufer entlang und bleibt kleben.

Kleben an den Forsythien, die hatten jetzt lange genug gewartet und kotzen jetzt ihr überschwengliches G.E.L.B. im Überschwang heraus. Sie sind so F.R.E.I. Sie feiern mit mir einen hemmungslos freien Tag. Babies, dafür liebe ich euch. C.H.E.E.R.S.

Dieses G.E.L.B., dieses leuchtende G.E.L.B., hunderte, tausende, abertausende, leuchtend gelbe Sterne einfach so und im Moment ganz allein für mich und meine Augen. Was für ein Tag, ach was, was für ein Fest. Pures, freies Glück. So einfach. So still. So schön. So bezaubernd.

Dieses G.E.L.B. Ist das K.A.D.M.I.U.M.G.E.L.B.? Das Hirn arbeitet, S.H.I.T., obwohl ich frei habe. Es ist ein Quertreiber, das kenne ich schon. Ist es nun, oder ist es nicht – K.A.D.M.I.U.M.G.E.L.B.? OK, ich guck nach und das an meinem freien Tag. G.R.U.M.M.E.L.

Nehmt euch F.R.E.I. Strampelt euch F.R.E.I. Macht euch F.R.E.I. Ihr werdet Gefallen daran finden, versprochen und F.R.E.I.H.E.I.T. spüren kann unter Umständen süchtig machen.

PS: Über die Studenten an der HU, die den Thomas mit ihrer Begeisterung „Thomas, Thomas, Thomas, Thomas, wir lieben dich!“ „Noch ein Krieg“, „Noch ein Krieg“, „Noch ein Krieg“ und unter frenetischem Beifall überraschend zur Abreise bewegten, das, das hat mich auch glücklich und zufrieden gemacht, an diesem Tag. Noch glücklicher, besser, schadenfroh haben mich die Sozialdemokraten gemacht, die nun mit einem gebrauchten Wahlkampfmotto in die bereits verlorene Wahlkampfschlacht ziehen bzw. stolpern. 150 Jahre alt und … nichts …

 

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