Titelbild Augen zu und durch

Muss es denn immer mehr sein? Muss alles immer und jederzeit in zig Farbvarianten, Geschmacksrichtungen und Geruchsnoten zur Verfügung stehen? Kurze Antwort – Ja oder Nein? Ist die Antwort ja, dann heisst das – WEITER SO! Ist die Antwort nein, dann heisst das Handeln, ganz schnell und ohne zu zögern.

Wo das JA! – WEITER SO! hinführt können wir sehen und spüren. Die Philippinen wurden vor wenigen Wochen von einem heftigen Taifun getroffen, ganze Landstriche sind verwüstet, Städte und Dörfer vollends zerstört. Tausende ließen ihr Leben, Hunderttausende, Millionen sind auf der Flucht, hungern, wissen nicht ein noch aus. Sie zahlen den Preis für das WEITER SO! Sie sind und bleiben nicht die einzigen die diesen Preis zu zahlen haben oder bereits gezahlt haben.

Laut einer Studie, veröffentlicht vor wenigen Wochen von Germanwatch, starben seit 1993 mehr als 530.000 Menschen bei mehr als 15.000 extremen Wetterereignissen, die materiellen Verluste werden mit 2,5 Billionen Dollar beziffert.

Das ist der Preis der bereits „bezahlt“ wurde für das WEITER SO! Er, der Preis, scheint noch nicht hoch genug zu sein, denn die Devise, vor allem der sogenannten Industriestaaten und der Schwellenländer, ist: WEITER SO!

Während die Katastrophe auf den Philippinen ihren Lauf nahm, saßen ab dem 11. November in Warschau die Vertreter von 194 Ländern und klimagipfelten vor sich hin. Es war die nun 19. UN-Klimaschutzkonferenz und die 20. ist schon in der Vorbereitung.

Die Vertreter konnten praktisch live die Folgen ihres Tuns bzw. Nichtstuns auf den Bildschirmen mitverfolgen. Einer der Vertreter der Philippinen war aus Protest gegen den offensichtlichen Handlungsunwillen der internationalen „Staatengemeinschaft“ in den Hungerstreik getreten und einige Wenige hatten sich solidarisch dem Streik angeschlossen – Wael Hmaidan von Climate Action Network, Kelly Dent von Oxfam und Louisa Casson, Sprecherin der Jugend auf dem Gipfel.

Es fragt sich, wie viele „Haiyans, Kathrinas“ und „Sandys“ ihre Schneise der Verwüstung noch ziehen müssen, wie viele Inseln der Überflutung preisgegeben werden müssen, wie viele „Jahrhunderthochwasser“, die sich nicht an die Vorgabe halten und schon nach wenigen Jahren wieder ganz Zentraleuropa mit ihren Fluten heimsuchen…: Wie viele küstennahe Landstriche werden noch aufgegeben werden müssen bevor ein globales Umdenken und Handeln einsetzt und das WEITER SO! keine Option mehr ist.

Zu den Kriegs-, Bürgerkriegs-, „Wirtschafts-“, politisch, religiös, sexuell verfolgten Flüchtlingen, werden nun auch vermehrt die Klimaflüchtlinge stoßen und sich berechtigterweise auf den Weg machen um wenigstens „ihre Haut“ zu retten. Sie werden vor verschlossenen Türen, Toren, Zäunen und Grenzen stehen. Sie werden abgewehrt, drangsaliert, diffamiert, kriminalisiert und ins Elend zurückgeschickt werden. So will es der weiße Wohlstandsmob. Das ist keine menschliche oder demokratische Option, das ist Terror. „Wir“ haben die Suppe gemeinsam angerührt und wir werden sie, die Suppe, gemeinsam auslöffeln. ¡BASTA!

Diese Zustände sind menschengemacht. Niemand kann sich aus dieser Verantwortung herausstehlen – wir müssen uns dazu verhalten, menschlich, sozial und politisch.

WEITER SO! … ist keine Option mehr – war es nie und ist es spätestens jetzt nicht mehr. Sollten unsere Regierungen, unsere Wirtschaft, wir alle nicht Willens sein gemeinsam zu Handeln, machen wir uns alle schuldig – des gezielten Massenmords schuldig. Vorzugeben… von allem nichts gewusst zu haben… nun ja, es mag hierzulande einmal funktioniert haben – es wird nie wieder funktionieren. NIE WIEDER.

Dass es kaum bis keine Proteste im Umfeld des Gipfels gab kann und mag auch daran liegen, dass die polnische Regierung für die Dauer des Gipfels und den zynischerweise zeitgleich veranstalteten „Internationalen Kohle- und Klimagipfel“ das Schengener Abkommen ausgesetzt und die Grenzen quasi dicht gemacht hat – europäische Demokratie?

Ja, Demonstrationen, Streiks, Konsum- und Generalstreiks – ein global ausgerufener Hungerstreik könnten die Dinge in Rollen bringen. 2015 trifft sich die „illustre“ Runde wieder in Paris… Eines ist klar, ein Kopfschütteln aus welchen Gründen auch immer, wird nichts bewegen als den eigenen Kopf.

 
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