Problemminister

Der hessische Innenminister Beuth beurteilt die Maßnahmen am Donnerstag im Waldstadion als angemessen und notwendig. Kicker und FR folgern messerscharf, Peter Fischer möge seine Äußerungen künftig besser überlegen. Allein FUMS löst die Vorgänge am Donnerstag souverän auf. Denn Nein, Peter Fischer muss einen Scheiß!

Kurzfassung: Eintracht-Präsident Peter Fischer teilt am Mittwoch im TV mit, das Stadion werde brennen. Aufgrund dessen durchsucht die Polizei am Donnerstag vor Spielbeginn die Nordwestkurve und weitere Räume des Waldstadions. Sie findet nichts. Aufgeregte Ultras malen das Plakat „Beuth, der Ficker fickt zurück“ und bekommen dafür auf die Fresse. Die Polizei Frankfurt twittert, bei mutmaßlich strafrechtlich relevanten Vergehen habe sie keinerlei Spielraum. Die Ultras räumen ihre Choreographie ab, die Eintracht gewinnt 4:1. Achtelfinale.

Und ja, Beuth bestätigt am Folgetag, dass die Durchsuchung hauptsächlich aufgrund der Aussage unseres Wodka-Peters erfolgte. Doch wirklich! Unsere Ordnungskräfte 2.0 sind derart nervös, dass sie „Das Stadion wird brennen.“ als Aufforderung zur Anwendung von Pyrotechnik und zum Anlass für Durchsuchungen nehmen. Oder ist es gar nicht Nervosität, sondern Kalkül?

Es hat ein widerliches Geschmäckle, wenn sowas von sowas kommt. Und die anschließenden Reaktionen des Blätterwaldes und der Stammtische zeigen, es funktioniert. Da wird im Nachgang dieses unerhörten Übergriffs tatsächlich über eine Mitschuld/Mitverantwortung des Peter Fischer diskutiert. Da reden und schreiben Offizielle und Presse, er hätte das vielleicht besser nicht gesagt. Nein Freunde, so läuft das nicht!

Wer nichts strafrechtlich relevantes in ein Mikrofon hustet, darf, so zumindest will es unsere Verfassung, ins Mikrofon husten was, wann und wie laut er oder sie will. Ob das mal ungeschickt, mal zu laut, mal zu leise, mal zu irgendwas ist, spielt keine Rolle. Wenn aber ein Sinnbild Auslöser für richterliche Beschlüsse und polizeiliche Maßnahmen ist, dann spielt das eine große Rolle, denn es ist ein Angriff auf die freie Meinungsäußerung und damit auf die Freiheit selbst.

Wozu diese Angriffe gut sind ist so offensichtlich wie billig. Sie verschieben den Begriff der Gewalt, verteufeln Gruppierungen, die es ihnen manchmal zu leicht damit machen, und vor allem möchten sie ihre Lesart der Vorgänge zum common sense machen – Stückchen für Stückchen und mit dem Ziel noch mehr Freiheiten zu Gunsten einer gefühlten Sicherheit abzuschaffen. Dazu gibt es dann einerseits so hübsche Begriffe wie „Gefahrenabwehr“ und Adjektive wie „notwendig“ und „angemessen“. Und andererseits Popanze wie „Problemfans“. Eine Erfindung staatlicher Institutionen.

Es gibt keine Problemfans! Es gibt problematische Menschen in allen Bereichen. Manche sind sogar Innenminister. Der Begriff Problemfan vergrößert das Handeln einzelner, um Gruppierungen zu diskreditieren. Die Verantwortung dafür trägt aber die Staatsmacht selbst. Sie eskaliert die Situation mit solchen Begriffen und mit der ewig langweiligen Nennung der Gefahr durch z.B. Pyrotechnik. Sie war am Donnerstag der Aggressor, sie verwechselt Folklore mit Gewalt und möchte, dass wir das alle tun. Sie möchte, dass wir glauben, das martialische Auftreten engagierter Fans und schwarzer Blöcke sei eine Gewaltbereitschaft, die gefahrenabgewehrt werden müsse. Der Auftritt aber ist Inszenierung, soll einschüchtern, will laut und brachial sein. Die Ableitung, Ultras seien ein randalierender Haufen Vollpfosten, ist die staatliche, die meinungsmachende. Sie ist falsch. Fallt darauf nicht herein.

Die staatlichen Institutionen und ihre Exekutive waren es, die am Donnerstag im Waldstadion die Stimmung gesetzt haben. Sie taten dies im direkten Widerspruch zur Einschätzung der Eintracht-Offiziellen und trotz vielfacher Versuche derer, das Getue zu verhindern. Die Ultras selbst hatten nicht den geringsten Einfluss. Sie haben auf die sinnlosen Durchsuchungen mit einem Plakat reagiert, das wiederum die Exekutive zum Anlass nahm, die ohnehin angeheizte Stimmung mit Schlagstöcken zu eskalieren. Gefahrenabwehr? Welche konkrete Gefahr mag von einem Plakat ausgehen? Vor allem welche Gefahr im Verzug, die überhaupt erst das Eingreifen der Polizei hätte ermächtigen können?

„Beuth, der Ficker fickt zurück“. Eine nicht unangemessene Reaktion auf den Angriff, wie ich finde, und in welcher Welt eine Beleidigung, die sofortiges Einschreiten rechtfertigt? Da hatte doch einfach jemand schlechte Laune, weil eben keine Pyro gefunden wurde und die schlechte Laune musste irgendwohin. Ich meine, ein zurückfickender Ficker ist ein Kompliment. Ein Ficker ist in heterosexuellen Zusammenhängen ein potenter Kerl. Dieser hier sogar so potent, dass er zurückfickt. Da müsste ihm doch der Schwanz schwellen, vor lauter Fickerei. Ich habe seine Pressekonferenz am Folgetag gesehen und bin geneigt, ihm solche Fähigkeiten abzusprechen. Das Sprechen macht ihm ja schon Probleme, wie soll denn dann…? Sei’s wie, wixen scheint er ja zu können. Denn schließlich entblödet sich der feine Herr Beuth auf eben dieser PK, noch einmal darauf hinzuweisen, dass der (natürlich so notwendige wie angemessene) Einsatz zur Gefahrenabwehr ja aus dem Steuersäckel bezahlt würde. Ein Einsatz, den NIEMAND bestellt hat, verfickt!

Dass die Ultras anschließend ihre eigene, mühevoll hingeklöppelte Choreo abgeräumt haben, mag man finden, wie man will. Es ist dabei wichtig zu wissen, dass es piepegal ist, wie man das findet. Es war ihre souverän und gemeinsam getroffene Entscheidung und damit die richtige. Sie hätten’s – jetzt erst recht – durchziehen können, sie haben sich entschieden, nicht mehr den Pausenclown zu geben, nachdem es auf die Fresse gab. Wir, die wir nicht im Block standen, haben diese Entscheidung zu respektieren.

Der einzige Wunsch, den wir bei WhatsNext gerne von den Ultras erfüllt sähen ist: Mehr Eintracht-Fahnen auf antifaschistischen und antirassistischen Demos. Ihr kämpft doch bereits in vorderster Front für unsere Freiheit. Lasst Euch gerne häufiger sehen.

PS: Wir haben uns umgesehen, Peter Fischer ist der coolste.
PPS: Nur die SGE!

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