Von Paepsten und Pupsen

Altmaier will… Die G20 wollen… Möglicher Termin für BER… Die FDP könnte… Merkel fordert… Verdacht auf… droht die Abschaltung. Theorien… mögliche Gefahr… Könnte, wollte, hätte, möchte, sollte, meinte, wünscht… So raschelt und blubbert und salbadert es den lieben langen Tag durch die Nachrichten. Und es kotzt mich an!

Nicht wahr, liebe Hofberichterstatter, Ihr werdet nach Kilometern bezahlt? Also nach Zeichen oder so. Oder gibt’s einen Mindestdurchsatz, den man erreichen muss, um sein Gehalt zu bekommen? Oder macht Ihr so Wetten in den Redaktionen? Der größte Output gewinnt? Oder hat irgendwer Angst, dass tatsächlich bisher zu wenig Halbgares im Internet zu finden sei? Dann isser natürlich praktisch, der Informatkonjunktiv – also all die hätte, könnte, wollte, wünscht und ähnlich nutzloses Gehilfsverbe. Na, nutzlos sicher nicht – ich will nicht ungerecht sein – nur was es in einer Nachricht verloren hat, das ist mir rätselhaft.

Dieter Nuhr hat mal so schön gesagt: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten“. Für Nachrichtendienste, -sendungen und -webseiten scheint das nicht zu gelten. Da wird munter alles herausposaunt, was auch nur von weitem nach Nachricht riecht – oder wahlweise stinkt. Jedes noch so dünne Gerücht wird verbreitet, als sei es die jüngste universelle Weisheit und jeder geäußerte Wunsche des letzten F-Promis aus Hintertupfingen wird noch als „NEWS“ vermarktet.

Es interessiert mich nicht, ob Altmaier die Stromkosten für Endverbraucher senken will. Tut er’s oder tut er es nicht? Was er will – rein zufällig im anrollenden Wahlkampf – kann er sich sonstwohin stecken – und die Nachrichtenseiten, die das ganze noch als Headline verbraten können meinetwegen gleich hinterherkriechen. Täte ich, was zu wollen ich mir manchmal wünschte, das wären Nachrichten – mutmaßlich sogar Topschlagzeilen. Vielleicht träfe es aber auch manchen der Leitartikler, was die Verbreitung stören könnte, aber solange ich es nicht tue – und ich werd‘ wohl beim darüber Schreiben bleiben – interessiert es keine Sau. Und dasselbe sollte auch dann gelten, wenn der Wünscher, Könnter, Möchter ein politisches Amt bekleidet oder einem dieser mysteriösen Kreise angehört, die ja immer alles vorher zu wissen scheinen. Bis es dann wahr wird oder nicht, ist die Nachricht ohnehin aus den Köpfen. Es gab ja zwischenzeitlich so wahnsinnig viele andere, unglaublich wichtige Halbwahrheiten. Oder einen zurückgetretenen Papst. Sowas scheint ja tagelang Leitartikel und Top-Storys wert zu sein. Müsste mir auch mal jemand erklären, da ich mich frage, ob es eigentlich noch ausreichend viele [qtip:praktizierende Katholiken|Woran auch immer Du jetzt gedacht hast, das habe ich nicht gemeint!] gibt, als dass ein verschnupfter Papst irgendwen juckte. Ich hab‘ mich allerdings auch gewundert, dass das überhaupt möglich ist, als Stellvertreter Gottes einfach zurückzutreten. Man stelle sich vor sein Chef täte das. Oder ist der schon längst…? Das würde manches erklären.

Dem Vatikan jedenfalls möchte man regelrecht für seine Geheimhaltung danken – zumindest an dieser Stelle, sie ist anderswo mehr als fragwürdig. Denn immerhin gab es keine ‚Der Papst könnte zurücktreten‘-Nachrichten im Vorfeld. Rücktritt, Nachrichten, Bumm – richtige Reihenfolge. Keine Spekulation, keine Gerüchte – eine Meldung. Punkt.

Lustig fand‘ ich allerdings die nachrichtliche Verwertung der Meteoritenbrocken, die kurze Zeit später auf Russland hagelten – also kurze Zeit nachdem der Stellvertreter zurücktrat. Da nämlich gab’s vorher offenbar keine Hinweise aus „Kreisen“. Sicher wusste man, dass man dem vorbeifliegenden Kometen würde zuwinken können. Nur dass der so fröhlich zurückwinkt, weil er gegen irgendeinen zivilisatorischen Weltraummüll gepatscht ist, das hatte wohl niemand auf dem Radar. Anschließend hingegen wurden gleich wieder Weltuntergangsszenarien gestrickt, wie sie selbst der 21.12.2012 nicht produzierte. Da zerlegt’s uns also doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten drei Billionen Jahre. Na, wenn das keine Nachricht wert ist. Und natürlich war es mit einer nicht getan. Für solches Gerüchteköcheln wird ja dann die Methode des Sanftgarens immer wieder neu erfunden – selbstverständlich unter Einbeziehung fremd- und selbsternannter Experten. Sonst könnte ja jeder kommen. Und jeder darf ja nun schon lange nicht mehr… Die Verlage möchten jetzt ja gerne auch noch Geld für all das Geschwurbel, wenn jemand es wagt es weiter zu verbreiten. Drauf geschissen! Google-Plus wäre für mich, wenn man auf solche Forderung reagiert, indem man die Verzapfer des Dummsinns konsequent ignoriert und aus den Suchergebnissen herauswirft. Es gibt sowieso viel zu viel zu lesen – manches sogar außerhalb des Internets (die Jüngeren mögen den Hinweis verzeihen), da haben wir auf als Nachrichten verkleidete Gerüchte nicht eben dringend gewartet – zumal auf kostenpflichtige.

Fast schon absurd wird die Nutzung des Informakonjunktivs im Zusammenhang mit meiner Lieblingsfirma Apple. Doch, da bin ich Fanboy, das geb‘ ich zu. Und trotzdem interessiert es mich nicht die Bohne, dass im April das iPhone 5S in mehreren Farben kommen könnte, das nächste iPad mini evtl. ein Retina Display hat oder möglicherweise ein Fernseher oder eine Uhr von Apple kommen soll oder Steve Jobs evtl. aufersteht. All das könnte mich interessieren, weil ich ja Fanboy bin. Und es interessiert mich auch, wie bunt oder hübsch oder funktionsreich das nächste iPhone ist und zwar genau ab dem Zeitpunkt, da es erscheint. Nicht vorher und schon gar nicht wie bunt, hübsch und funktionsreich es sein könnte. Wenn’s erscheint, interessiert es mich, vorher ist es keine Nachricht – nicht einmal eine Information – es ist einfach nur Geschwätz variierenden Wahrheitsgehalts. Und absurd ist all das deshalb, weil genau die Magazine, Webseiten, Nachrichten und Zeitungen die davon berichten, wie geschickt Apple die Presse nutzt, um Aufmerksamkeit für Produkte erzielen genau dieselben sind, die sich genau hierfür nutzen lassen, indem sie auf jedes noch so hauchdünne Gerücht stürzen, als gäb’s ein MacBook dafür – gibt es aber nicht. Soll noch einer sagen, wie lernen aus unseren Fehlern.

Weniger wäre mehr!

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