Titelbild Aenschie

Nicht? Abhörsicher abgetaucht? Macht aber auch weiter nix. Da sind wir ganz Kohls Schülerin, ne? Wenn’s gar unübersichtlich wird: aussitzen, abwarten, da wächst Gras drüber, das versendet sich, bestenfalls prügelt sich ja der Innenminister irgendeines Bundeslandes wieder in die Schlagzeilen. Die Bewerber – gleich welcher Couleur – sind ja fleißig.

Ach, aber apropos Innenminister. Musst’ denn wirklich, Änschie, den Bundesfriedrich vorschicken und in der Zwischenzeit auf Jobwunder tun? Okay, das windelweiche Gewäsch – seins – personifiziert irgendwie das mit dem Aussitzen. Nur nicht anecken, also weder beim großen Bruder in Amiland, noch bei den heimischen Wählern, die ihre Schwulenpornos künftig leicht verunsichert herunterladen. Vielleicht kann Boris ja ein paar der gewaltbereiten Chaoten fragen, wie das mit den sicheren Servern so funktioniert. Die guten Beziehungen zu den Bones hat er ja recht ruppig gekündigt.

Ach, aber ich schweife ab. Schau mal, Änschie, die Franzosen trommeln wenigstens ein bisschen, würden den Gipfel zum Freihandelsabkommen wenigstens gerne noch mal aufgeschoben haben und sind auch sonst irgendwie lauter/lautstarker erzürnt, als die deutschen Repräsentanten. Na, zumindest lauter als die in Regierungsverantwortung. Die Opposition trommelt natürlich, aber sie muss es ja auch nicht ausbaden – wie’s aussieht nichtmal nach der nächsten Wahl. Aber Du und Dein Gefolge? Funkstille, oder? Ich mein’ das bisschen ‚Du Du Du‘ kann doch nicht ernsthaft Ausdruck von Entrüstung gewesen sein. Da muss man doch mal Antworten drauf finden, die das Wort auch verdienen. Da muss man halt mal ein paar Leitungen durchschneiden und ein paar U-Boote ansteuern, um zu schauen, was sie so treiben. Und ein paar klare Ansagen – noch besser Absagen – sind doch auch nichts verkehrtes, wenn man feststellt, dass der ach so brüderlich Verbündete beim Spionieren keine Verwandten kennt – nur Verwanzte.

Und es wäre ganz leicht gewesen. Statt Snowdens Bitte um Asyl den Bundesfriedrich zum Auswärtigen Amt hin durchreichen zu lassen, hätt’st ja auch sagen können: Herr Snouwdön, komm’se to my Haus. I will give you some Asyl and we will sicher find a Dolmetscher. Aber nichts dergleichen. Gewohnt passiv-aggressiv biste weg wenn’s drauf ankommt. Blöd, dass die Flut grad vorbei ist, sonst hätt’st in Gummistiefeln die Antworten verweigern können – sehr beschäftigt, Hilfsgelder zu versprechen. Nun müssen stattdessen die armen, arbeitslosen, europäischen Jugendlichen herhalten, damit das Thema umschifft wird. Als wären sie nicht genug gestraft unter der Diktatur von EZB, IWF und Europäischer Kommission. Sie sind doch ihrer Würde schon beraubt. Müssen sie jetzt auch noch die Nebelkerze sein, die davon ablenkt, dass Dein ganzes Volk (ach, Ihr Repräsentanten und -onkels ja auch) belauscht wird? In durchaus unfreundlicher, generalverdächtigender Absicht, darf ich hinzufügen.

Und apropos Nebelkerzen: Am End – und den ersten scheint es ja langsam zu dämmern – geht es gar nicht um azurblaue Reisetaschen, islamistische Terrorzellen (mittlerweile das meistgebrauchte Totschlagargument für jede Form des Aushebelns von Demokratie, wie mir scheint) oder darum, wann und in welcher Form Otto Normal seinen letzten Schiss hatte. Am End geht’s um Industriespionage. Det schonmal überlegt, Änschie? Könnt’ das ein Grund sein, dass amerikanische Unternehmen so willfährig ihre Daten ins Rechenzentrum der NSA überspielen? Vielleicht bekommen sie ja lecker was zurück? Und dass Zuckerberg kein Kind von Traurigkeit ist, was das Klauen von Ideen angeht, weiß man ja.

Was nun, Änschie? Was machen wir denn nun draus? Dass es nun nicht so wichtig ist, ob Dein Volk ausspioniert wird oder auch mal verkloppt, oder ob Teile verarmen – die Botschaft war schon angekommen. Aber wenn Du nun dem BDI erklären musst, dass Made in Germany es über die NSA-Server so schnell bis in chinesische Fabriken unter amerikanischer Aufsicht schafft, dann wird’s kompliziert. Gut, man könnte sich das Show-Gezicke des Zolls in Sachen Produktpiraterie auf Messen sparen. Die haben vielleicht auch mal besseres zu tun, als chinesische Kugelschreiber zu beschlagnahmen. Aber wenn die Industriellen in Deinem Umfeld den Braten riechen und es Deinem Bundesfriedrich (von der deutschen Spionageabwehr *kicher* gar nicht zu sprechen) nicht gelingt, glaubhaft zu versichern, von all dem nix gewusst zu haben, ja dann wird’s eng – Engie regelrecht. Dann brechen vielleicht ein paar Parteispenden weg und man muss auf die Agentur der Jungen Union zurückgreifen, um Himmels willen. Oder gibt’s dann der Barack? Vielleicht aus dem Friedensnobelpreis-Topf?

Jetzt ist jedenfalls genug rumgeeiert, Frau Königin. Selten hätten Ereignisse einen solchen Bumms verdient, wie die jetzigen. Und da ist Aussitzen eben keine Lösung. Da muss Snowden mit dem Privatjet eingeflogen werden und auch sonst sei ihm jede Sonderbehandlung gegönnt. Wir bezahlen Bundespräsidenten die weniger geleistet haben wesentlich mehr, als uns dieser Held kosten könnte. Jetzt wäre also mal handeln statt quatschen dran oder konsequenterweise die Krönung zur Kaiserin von Passivaggressivistan. Denn eins muss man Dir lassen, Änschie, ein gewisses Gespür für den mangelnden Aufschrei der Volksseele scheint vorhanden. Ich für meinen Teil glaube jedoch, dass es einfach noch nicht gesackt ist. Noch halten viele das in dem Ausmaß gar nicht für möglich oder machbar. Aber wenn das kippt, dann wird’s hoffentlich noch ein bisschen spannender und aufgeregter in dieser, unserer Demokratur.

https://www.campact.de/snowden/appell/teilnehmen/

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