Solange wir elektronische Gadgets so behandeln, wie wir sie behandeln und wie es – und das ist grotesk – nicht nur legal, sondern gängige Praxis ist, so lange brauchen wir über Nachhaltigkeit nicht zu sprechen. Unsere technischen, so genannten, Helfer zerstören unseren Lebensraum. Natürlich schaffen sie dabei Profit.

Mein Text heute könnte als Einzelschicksal abgetan werden. Leider steht er aber beispielhaft dafür, wie unverhohlen uns Technologiefirmen ficken.

Wie Ihr vielleicht wisst, sind wir Medienprofis, Kernkompetenz Print. Als solche sind wir früh an Macs geraten und bei diesen geblieben. Wir brauchen eben Profi-Werkzeuge und da kann und konnte uns Windows nicht überzeugen. Vieles von dem, was Apple einmal ausgemacht hat, existiert schlichtweg nicht mehr. Es geht – wie bei allen Tech-Giganten – nicht um die Anwender_innen, ja nicht einmal mehr um die Produkte, es geht ausschließlich um Profit, und das funktioniert glänzend.

Meine Macs
Ich hatte einen Quadra, ich hatte den G4-iMac (die Stehlampe) und es gab einen Zeitpunkt, da musste die Ausstattung mehr können, so hatte ich mein erstes MacBook Pro. (Das übrigens hat noch einen Stereo-Eingang, etwas, das aktuelle MacBook Pro nicht mehr haben, was ich schier unglaublich finde – von wegen „Pro“). 2008 kaufte ich einen Mac Pro (so ne große Alu-Kiste) mit einem 30-Zoll-Cinema-Display. Da kommen flugs 4-5000 Euro zusammen. Und da das erste MacBook Pro tatsächlich auch einmal ausgedient hatte, leistete ich mir 2012 ein MacBook Pro für knapp 3000 Euro. Ich habe schon damals eine SD-Festplatte in das Unibody-MacBook-Pro einbauen lassen, weil ich das für eine gute Investition in langwährendes Tempo hielt. Das hat sich ausgezahlt, aber wenn es nach Apple geht, sitze ich aktuell vor einem Haufen wunderbar funktionierenden Elektroschrotts.

Die Story
Der Schwachpunkt der Unibody-Apple-Laptops ist der Akku (der ließ sich an meinem alten MacBook Pro übrigens einfach rausklicken und ersetzen). Dabei ist es Geschmacksache, ob der Laptop unbedingt eine funktionierende Batterie braucht, oder ob man ihn nur noch per Kabel betreibt, aber das ist nicht das Problem. Der defekte Akku bläht sich auf und drückt von innen gegen den Alu-Unibody. Das erste Opfer dieser Vergrößerung ist das Trackpad. Einem von uns ist gesprungen, meins wurde schwergängig, sodass ich – Anfang diesen Jahres – beschloss zu handeln.

Vintage, my ass.
Kurze E-Mail an den Apple-Store, was ich brauch und wann ich bringen und holen kann (anhand der Mac-Seriennummern weiß Apple ja, um welches Produkt es sich handelt), kurz abwarten, dann Antwort von Apple, sinngemäß: „Lieber …, Dein Produkt wird mittlerweile als „Vintage“ eingestuft und nicht mehr unterstützt, wir können Dir also keine Reparatur anbieten, aber Du kannst gerne mit unserem Geschäftskunden-Service Kontakt wegen eines neuen Macs aufnehmen.“ Freunde, Ihr könnte froh sein, wenn ich überhaupt jemals wieder Kontakt mit Euch aufnehme!

I repeat
VINTAGE. Ein neun Jahre alter Laptop, dessen Akku getauscht werden muss, der wunderbar läuft und jede Aufgabe abschmatzt, die auf ihn geworfen wird (InDesign, Illustrator, Photoshop, alles keine Zwerge in ihren Anforderungen), dieser Laptop ist kein Produkt mehr, er ist ein Oldie. Vielleicht bekomme ich ja ein H-Kennzeichen. Oder gibt’s eventuell ein Museum, das dieses Stück Technik aus einem längst vergangenen Jahrzehnt ausstellen möchte? Wir finden das unglaublich und empörend. Und in einer besseren Welt, wäre das Einstellen von Support für ein Produkt schlicht verboten. Im Kapitalismus geht das. Zu meinem Glück hat der Markt hier tatsächlich mal geregelt und z.B. die Firma smartmod.de in Frankfurt hat sich auf die Reparatur solcher „Vintage“-Geräte spezialisiert. Ich nenne die Firma explizit, da mir hier genau so geholfen wurde, wie ich es von Apple erwartet hätte (inklusive Abholung und Rückgabe am selben Tag).

Vintage hoch 2
Damit zum Mac Pro von 2008. Da wüsste ich nicht mal, ob der bei Apple noch als Vintage oder schon als Erinnerungsstück gehandelt wird, aber auch der – Technik, die begeistert – schnurrt wie ein Kätzchen. Er hat im Lauf seiner Existenz die ein oder andere Grafikkarte geschrottet und das CD-Laufwerk geht nicht mehr auf, aber dank des modularen Aufbaus, ist das kein Problem. Dennoch hat mir mein IT-Helpdesk unlängst empfohlen, den Rechner offline zu nehmen – für immer. Huh?

Bitte aktualisieren Sie Ihr Betriebssystem
Und damit sind wir bei der zweiten Faust der Profiteure tief im Anus der Kund_innen: Der Software. Auf dem Mac Pro läuft das letzte Betriebssystem, das noch auf diesem Rechner laufen kann, 10.11. Kürzlich ging Apple auf OS 11, eigentlich nur 10.16. 10.11 wird – seit Jahren – nicht mehr unterstützt. Keine Sicherheits-Updates, keine Anpassungen, folglich keine neueren Versionen der Adobe Creative Cloud (diese Abo-Falle hat bereits einen Artikel), nix. Der Rechner läuft, aber gilt jetzt als Sicherheitsrisiko. Software-Updates dienen schon längst nicht mehr dazu, mit neuem Code mehr aus existierenden Verhältnissen zu holen, Entwickler_innen und Tech-Giganten gehen Hand in Hand darin, dass neue Software bedeutet: Dein Rechner genügt mir nicht mehr, kauf’ einen neuen. Man muss sich das vorstellen: Ausgerechnet jener Teil aus Hard- und Software, der reibungslos verbessert werden kann, sabotiert stattdessen den Teil, der beschafft werden muss. Es ist obszön.

Politisch gewollt
Machen wir uns nichts vor, dass dies so ist, ist politisch gewollt. Es wäre möglich, eine Gewährleistungspflicht gesetzlich zu verankern. Die zwei Jahre Garantie in DE sind auch aus keinem Himmel gefallen. Wenn aber politisches Denken nicht über den Profit der Eliten hinausgeht, dann wird nicht verhindert, dass Technik durch Programmierung ausgehebelt wird, dann wird dies noch befeuert. Erinnert Ihr Euch an den Start der Corona-App? Die lief erst ab Betriebssystem soundso auf Handy soundso. Wer sich das Modell nicht leisten kann – Pech, hätt’st halt was gespart von Deiner üppigen Grundsicherung oder wärst halt arbeiten gegangen. So musste halt sterben, haste nun davon. Und da haben wir von den Möglichkeiten z.B. zur 2-Wege-Authentifizierung, wenn Du es wagst ganz auf solche Gadgets zu verzichten, noch gar nicht gesprochen. Wer heute in DE kein Mobiltelefon besitzt, rennt überall gegen Wände verdutzter Gesichter. Sogar in Ämtern, die sonst das Faxgerät so lieben.

Deep Fist
Tech-Giganten zahlen kaum Steuern und machen unerhörte Profite. Sie ballern uns mit Gegenständen voll, die unsere Ressourcen verbrennen und unseren Lebensraum zerstören, in ihrer Entstehung wie in ihrer Entsorgung. Grün gewaschen wie ihr Image ist, nehmen sie „Altgeräte“ zurück und schlachten sie aus, dabei bestimmt aber der Hersteller, was alt ist, nicht die Kund_innen, nicht das Gerät. Und weil all das nicht Anlass genug ist, etwas anzuzünden, drehen eben jene Tech-Giganten per Software, per Internet-Apps, per Mobile-Apps und wo auch immer sie sonst können, an den notwendigen Stellschrauben, die die Lebensdauer der Hardware auf ein Minimum verkürzen.

Unibody
Der vielleicht größte Coup der Industrie gegen ihre Kund_innen ist die Unibody-Logik. Verpackt als: „Guck, alles aus einem Stück, weniger Abfall, viel bequemer für Dich und auch noch hübsch. Gibt’s als Rechner, als Mobiltelefon oder als Pad und Du musst Dich um nix mehr kümmern.“ Oh, das klingt nice, das klingt, als ginge es um die_den Kund_in, da geht’s um Komfort und um Mühelosigkeit. So isses, bis was kaputt ist. Dann geht’s um teure Reparaturen oder – viel häufiger – um eine Neuanschaffung. Niemand, der Dank Handy-Vertrag jedes Jahr ein neues Gerät bekommt, lässt ein altes reparieren. Deshalb habe ich den Handy-Teil aus meinem Vertrag gestrichen.

Unibodies sind nicht hübsch oder nützlich, sie sind eine Gelddruckmaschine und ein Anschlag auf unseren Lebensraum. Eine Politik, die den genannten Machenschaften keinen Riegel vorschiebt, obwohl sie könnte, dient keinem „Volk“, sie dient ausschließlich und unterworfen den wirtschaftlichen Interessen jener, die sowieso mehr als satt sind. Und jede_r von uns kann Sand in dieses Getriebe streuen: Kündigt Eure Jedes-Jahr-ein-Neues-Handy-Verträge, behaltet all Eure Technik-Gadgets einfach länger, klickt Internet-Seiten wieder zu, wenn sie Eure Rechner zum Hecheln bringen, löscht Apps, die dasselbe tun und kauft Programme und Dateien, statt Abos, die sich ständig erneuern und Geld für alles aber nichts generieren. Du brauchst keine Triple-Nachtsicht-dies-das-Ananas-Kamera an Deinem Handy. Bist Du Regisseur_in oder Fotograf_in, dann leg’ Dir gescheites Equipment zu. Und ansonsten ist es egal, ob an Deinem Phone oder Pad eine 1, 3, 6 oder 25 steht. Das was Du damit machst kann es.

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